Geschichte der Familie Weyl und Dascha
Als Karin mich anrief, um zu fragen, ob wir ein Kind aus der Gegend um Tschernobyl für drei Wochen bei uns aufnehmen würden, fielen mir zuerst viele negative Dinge ein, um mich nicht mit diesem Thema auseinandersetzen zu müssen.
- Nicht genug Platz in unserer Wohnung
- Sprachprobleme
- Finanzielle Aspekte
- Zeitmangel
Nach längeren Gesprächen in unserer Familie und der Zustimmung von Christian und Lara, die zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alt war und schließlich ihr Zimmer teilen musste, sagte ich schließlich zu.
User Kind kam und wir waren schon sehr aufgeregt, als wir sie am Bus abholten… Da stand sie, ein kleines, blasses, dünnes Mädchen mit traurigem aber auch erwartungsfrohen Blick. Karin überreichte uns einen Ferienplan, das Übersetzungsheft und schon waren wir mit unserem Gastkind zu Hause. Es begann für uns eine Erfahrung, die ich nur jedem ans Herz legen kann. Die anfänglichen Bedenken, wir hätten zu wenig Platz, waren schnell zerstreut, denn Dascha und Lara verstanden sich auf Anhieb.
Sprachbarrieren gab es kaum, das konnten wir schnell von unserer Tochter lernen, denn mit Hilfe des schlauen Heftes und Zeichensprache konnten wir uns ganz gut verständigen, und wenn doch mal was zu übersetzen war, gab es ja immer noch Regina und Ellena, die beiden Betreuerinnen. Das Miteinander in der Familie klappte hervorragend und nach ein paar Tagen spürte und sah man die Freude in Daschas Augen. Mit Kleinigkeiten wie Fensterbilder malen oder mittags ins Schwimmbad fahren, hatten Lara und Dascha den größten Spaß. Dascha kommt jetzt schon im vierten Jahr und es fühlt sich an, als käme unser zweites Kind zu Besuch. Sie ist uns so ans Herz gewachsen, was ich mir vorher nicht vorstellen konnte.
Bei jedem Abschied gibt es Tränen und die Freude aufs nächste Jahr wächst immer mehr. Ich darf für meine Familie sagen, dass diese Erfahrung unser Leben bereichert hat, wir froh sind uns für „Freunde helfen Freunden“ entschieden zu haben.
Familie Weyl, Gutenberg

